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„Mit dem Netz 2010 wollen wir den Nahverkehr in und um Leipzig attraktiver machen“

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„Mit dem Netz 2010 wollen wir den Nahverkehr in und um Leipzig attraktiver machen“

Veröffentlicht am: Mittwoch, 24. Februar 2010

Am 10.10.2010 führen die Leipziger Verkehrsbetriebe ein neues Busnetz ein. Im Gespräch mit „Im Fokus" erklärt Holger Flache, Leiter des Geschäftsbereichs Verkehrsmanagement bei den LVB, die Gründe, Details und Chancen des veränderten Angebots.

Interview mit Holger Flache, Leiter des LVB-Geschäftsbereichs Verkehrsmanagement, zum neuen Busliniennetz:

 Holger Flache

„Im Fokus": Wofür brauchen die Stadt und das Umland von Leipzig ein neues Busliniennetz?

Holger Flache: Wir wollen mit dem Fahrplanwechsel am 10. Oktober 2010 den Nahverkehr in Leipzig attraktiver und für noch mehr Bürger nutzbar machen. Unser Ziel ist es, jährlich 1,5 Millionen Fahrgäste mehr auf den Buslinien zu befördern. Das wäre eine Steigerung von zirka 7,5 Prozent.

Welche Gründe gab es noch für das neue Netz?

In den vergangenen Jahren hat es große Veränderungen in der Einwohnerstruktur von Leipzig gegeben. Aus den großen Wohngebieten wie Grünau zogen immer mehr Leute weg, dafür erlebten Gründerzeitviertel einen großen Boom. Andererseits entwickelten sich immer mehr Wohngebiete mit Einfamilien- oder Reihenhäusern. Diese Anwohner wollen auch an das ÖPNV-Netz angebunden sein. Das Busliniennetz ist dabei die logische Fortsetzung des Neuen Netzes 2001, welches wir vor allem für die Straßenbahnen eingeführt und mit dem wir sehr gute Erfahrungen gemacht haben.

Wie profitieren Fahrgäste vom neuen Busnetz?

Getreu unserem Werbeslogan „Einfach mehr Bus" schaffen wir zusätzliche Angebote, neue Linien sowie Direkt- und Querverbindungen und verdichten auf vielen Linien die Taktfrequenz. Insgesamt verändern wir in einem Zug 17 von 24 Buslinien sowie zwei der 14 Tram-Linien. Das LVB-Streckennetz wächst um 8,5 Kilometer durch Straßen, die jetzt neu von Bussen befahren werden. Wir richten 22 neue Haltestellen ein.

Nennen Sie uns bitte markante Beispiele für Veränderungen!

Wir bieten mit der Buslinie 74 eine völlig neue Querverbindung im Süden von Leipzig an. Künftig können Fahrgäste ohne Umsteigen zwischen Stötteritz, Holzhausen, Südvorstadt, Schleußig, Plagwitz und Lindenau pendeln. Die Busse fahren den ganzen Tag im 20-Minuten-Takt. Zwischen Stötteritz und Schleußig gibt es in den Hauptverkehrszeiten einen 10-Minuten-Takt.
Ein zweites Beispiel ist die Haltestelle Probstheida. Diese bauen wir zu einem zentralen Verknüpfungspunkt aus, an dem sich die Straßenbahnen und mehrer Buslinien treffen. Von hier aus erreicht man dann bequem unter anderem das Herzzentrum sowie Ziele in Connewitz, Lößnig, Stötteritz, Mölkau, Paunsdorf, Wachau, Markkleeberg und neu auch ohne umzusteigen Liebertwolkwitz und Großpösna.
Auf etlichen Linien verbessern und vereinheitlichen die LVB zudem die Takte. So fahren die Buslinien 72, 73, 74, 76 und 79 wochentags zwischen 6 und 19 Uhr in einem durchgehenden 20-Minuten-Takt, was auch bessere Anschlüsse erlaubt.

Wie sind Sie an die Entwicklung des neuen Netzes herangegangen?

Die Grundlage bildet der Nahverkehrsplan der Stadt Leipzig aus dem Jahr 2007. Unserem neuen Netz-Plan gingen außerdem intensive Recherchen und Modellrechnungen voraus. Wir arbeiten bereits seit 2006 am neuen Busnetz. Konkret haben wir Schwerpunktgebiete, Verkehrsströme und Einwohnerzahlen analysiert sowie Meinungen und Kritiken unserer Fahrgäste eingeholt. Unzureichende Querverbindungen oder nicht ausreichend erschlossene Wohngebiete im alten Busliniennetz wurden herausgearbeitet. Und wir haben natürlich wirtschaftliche Aspekte ins Feld geführt.

Das führte auch zu Leistungseinsparungen?

Stimmt. In Grünau zum Beispiel haben wir uns durch eingangs erwähnte Einwohnerentwicklungen entschlossen, die Straßenbahnlinien 2 und 8 einzukürzen. Diese enden dann in „Grünau Nord" sowie am „Ratzelbogen". Der 10-Minuten-Takt bis Miltitz und Lausen wird durch die verbleibenden Linien 15 und 1 dennoch gewährleistet sein. In diesem Zusammenhang wird auch die Zubringerbuslinie 63 eingestellt. Diese vereinzelten Einsparungen im Netz werden aber durch das Busliniennetz wieder kompensiert. Beispielsweise wird die bisherige Regionalbus-Linie 129 zur neuen Buslinie 62. Diese fährt künftig jede halbe Stunde von der Haltestelle „Lausen, Wolkenweg" über Rückmarsdorf, Löwencenter bis Böhlitz-Ehrenberg Süd.

Das Busliniennetz der LVB wird größer. Wie lösen Sie das fahrzeugtechnisch und personell?

Die LVB haben ja schon einen modernen Bus-Fuhrpark. Erst Anfang 2010 sind zwölf neue Solarisbusse dazugekommen. Und wir planen für dieses Jahr die Anschaffung von fünf weiteren Normalbussen sowie zehn Gelenkbussen mit der modernen Hybridtechnologie. Was die personelle Seite betrifft: Wir schaffen durch das künftige Netz 14 neue Stellen im Fahrdienst. Auch das finden wir gut.

Der Fahrplanwechsel ist am 10. Oktober. Weshalb wird das Busliniennetz jetzt schon präsentiert?

Weil es sich um ein noch nicht endgültig bestätigtes Liniennetz handelt. Es ist ja auch noch ein Stadtratsbeschluss über das neue Busliniennetz notwendig. Deshalb möchten wir in den nächsten Wochen bis April einen Diskussionsprozess in Gang bringen, um möglichst vielen Gelegenheit zu geben, sich zu den Änderungen zu äußern. Das betrifft die Ratsfraktionen genauso wie Interessenverbände und Stadtbezirksbeiräte. Und wir laden vor Ort in den Stadtbezirken zu Bürgergesprächen ein. Kurz gesagt: Wir sind offen für alle Anregungen.

Wie schätzen Sie da Chancen des künftigen Busliniennetzes ein?

Ich bin sicher, dass es uns damit gelingt, den Aufwärtstrend des ÖPNV in Leipzig zu unterstützen. Wesentliches Anliegen dabei ist es, durch neue und bessere Erschließungen und Verbindungen - als „einfach mehr Bus" - die Bürger einzuholen, vermehrt ihr Auto stehen zu lassen. Grundsätzlich wollen wir mehr Fahrgäste und damit auch langfristig die finanzielle Basis der LVB sichern. Und wir schaffen schon jetzt die bessere Anknüpfung an das künftige Mitteldeutsche S-Bahnnetz, das bekanntlich mit Inbetriebnahme des Leipziger City-Tunnels eingerichtet wird.

 

verantw.: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (V.i.S.d.P. Reinhard Bohse)

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