„Wir wollen dem Winter besser begegnen“
„Wir wollen dem Winter besser begegnen“
Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) haben sich auf den Winter vorbereitet. Das Unternehmen hat deshalb in den vergangenen Monaten viel Kraft in die drei Handlungsfelder Organisation, Technik und Kommunikation gesteckt, um diesmal besser vorbereitet zu sein. Die Eckpunkte dieses „Winterplans" stellte Ulf Middelberg, Sprecher der LVB-Geschäftsführung , am 9. November während des 5. LIF Leipziger Instandhaltungsforums der IFTEC GmbH vor. Auf der Veranstaltung präsentierte Middelberg außerdem das LVB-Strategiepapier „Fokus 25 - moderne Mobilität in Leipzig".
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LVB-Pressekonferenz zum Thema Winter während des 5. LIF Leipziger Instandhaltungsforums der IFTEC GmbH |
Leipzig. Der vergangene Winter hatte die LVB vor extreme Probleme gestellt. Blitzeis und extremer Schneefall hatten am 8. Dezember sowie vom 25. bis 27. Dezember 2010 sogar für zwei Totalausfälle im Liniennetz der LVB gesorgt. Allein um die Schäden des vergangenen Winters zu beheben, mussten die Leipziger Verkehrsbetriebe 1,1 Millionen Euro in die Hand nehmen und investieren.
„Wir haben die Lehren aus dem Winter 2010 gezogen und Maßnahmen ergriffen, um technisch, organisatorisch und kommunikativ auch in extremen Situationen gut vorbereitet zu sein“, sagte Ulf Middelberg, Sprecher der LVB-Geschäftsführung, am 9. November in seinem Leitvortrag auf dem 5. LIF Leipziger Instandhaltungsforum im Mediencampus Villa Ida.
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Ulf Middelberg während seines Vortrages auf dem 5. LIF |
Das LIF Leipziger Instandhaltungsforum ist eine von IFTEC organisierte Kundenveranstaltung. Seit 2007 hat sich die Tagung als überregionale Plattform etabliert und lockt jährlich knapp 150 Teilnehmer aus 25 Nahverkehrsbetrieben, von Planungs- und Ingenieurbüros sowie Industriepartnern nach Leipzig. Im Mittelpunkt des Forums steht der Gedankenaustausch über aktuelle Themen aus der Fahrzeug- und Fahrweginstandhaltung. Die IFTEC GmbH ist ein Gemeinschaftsunternehmen der LVB-Gruppe und der Siemens AG und für die komplette Systeminstandhaltung an Fahrzeugen und Fahrwegen des Straßenbahn-Systems verantwortlich.


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Der Mediencampus Villa Ida in Leipzig war Veranstaltungsort des 5. LIF Leipziger Instandhaltungsforums. |
In seinem Vortrag und der anschließenden Pressekonferenz machte Middelberg eines immer wieder deutlich: „Wir wollen dem Winter besser begegnen und Einschränkungen für die Fahrgäste minimieren. Und wenn der Winter kommt, sieht er uns zumindest gut vorbereitet.“
Handlungsfeld: Organisation
Konkret bedeutet das: Die LVB haben eine neue Winter-Dienstordnung erstellt. Diese enthält sieben anstatt bislang drei Winterdienststufen und fixiert für alle Mitarbeiter Grundregeln für die Abläufe in besonderen Situationen. Anhand von speziellen Einsatzstufen gibt es Maßnahmepläne wie Sonderfahr- und Dienstpläne, Nachtschichten, um Strecken frei zu fahren, Verstärkung bei Service-Telefon und bei Winterdienst sowie Pläne, um die Versorgung der Mitarbeiter zu gewährleisten. „Wir sind seit Wochen in allen Bereichen des Unternehmens unterwegs, um die Mitarbeiter über die neuen Regeln zu informieren. Ziel muss es sein, dass jeder weiß, was von ihm im Notfall erwartet wird“, so Ulf Middelberg. „Wir haben alle Dinge durchgespielt, um mit den Mitarbeitern möglichst richtige Entscheidungen zu treffen.“
Die LVB-Mitarbeiter stehen bereit, um im Fall der Fälle zur Stelle zu sein. Solch ein Notfallplan setze allerdings auch voraus, dass die Menschen auch verfügbar seien. Man habe deshalb in den Verwaltungsbereichen der LVB gefragt, wer für derartige Notfalleinsätze bereitstehen würde. „Die Resonanz bei den Kollegen war hervorragend. Viele haben ihre Bereitschaft erklärt mitzumachen“, freut sich der LVB-Geschäftsführer.
In speziellen Schulungen werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Fahrdienst und auf allen anderen Arbeitsplätzen auf besondere Situationen im Winter vorbereitet. Darüber hinaus steht Informationsmaterial zur Verfügung sowie ein internes Wintertelefon als Hilfsmittel bei Nachfragen im Dienst.
In der modifizierten Winter-Dienstordnung ist auch genau geregelt, ab wann der Krisenstab der LVB den Notfahrplan beschließt. Der Notfahrplan beinhaltet zum Beispiel den 24-stündigen Straßenbahnbetrieb, um die Gleise befahrbar zu halten. Für den Fall, dass der Straßenbahnbetrieb sofort eingestellt werden muss, bauen die LVB mit allen verfügbaren Bussen ein Notbetrieb für die Straßenbahnstrecken auf. Dazu werden alle verfügbaren Busfahrer eingesetzt und am Hauptbahnhof konzentriert. Mehrere Buslinien wie die 60, 65, 67, 70, 74, 76, 80 und 90 fahren dann in größeren Abständen, um mit diesen Fahrzeugen den Notbetrieb aufrechtzuerhalten.
Handlungsfeld: Technik
Neben der bereits erwähnten Investition in die Beseitigung von Winterschäden haben die LVB zudem Vorsorge getroffen, um sich mit anderen technischen Maßnahmen auf die Wintermonate vorzubereiten. Von der IFTEC GmbH bekommen die LVB einen Schienenschneepflug. Beschafft wurden außerdem bereits Schneefangzäune, ausreichend Streugut und Auftaumittel, zusätzliche straßengebundene Schneeräumtechnik, aber auch Handgeräte wie Schneeschieber, Ladekabel für Handys und Arbeitsschutzbekleidung.
Um die Oberleitungen nicht vereisen zu lassen, werden einerseits verstärkt die erwähnten nächtlichen „Leerfahrten“ mit Straßenbahnen gemacht. „Wir sind aber auch darauf vorbereitet, gezielt Enteisungen von Oberleitungen vorzunehmen“, so der LVB-Chef. Dafür würde eine spezielle Glycerin-Schicht auf die Leitungen aufgebracht. Das könne man aber nur punktuell auf Schwerpunktstrecken und nicht flächendeckend machen.
Für die bessere Beräumung der Haltestellen haben sich die Verantwortlichen mit der dafür beauftragten LVB-Tochter Leipziger Servicebetriebe (LSB) GmbH zusammengesetzt. Man habe sich darauf verständigt, so Middelberg, die Abläufe zu optimieren und auch mehr Personal einzusetzen.
Mit der Leipziger Stadtreinigung besteht ebenso eine enge organisatorische Abstimmung. Auch für diesen Winter gilt die Zusammenarbeit über 24 Stunden, alles unter der Maßgabe und mit dem Ziel, den Nahverkehr auch in schwierigen Situationen am Laufen zu halten.
Handlungsfeld: Kommunikation
Ihre Bewährungsprobe im Winter sollen laut Ulf Middelberg auch die Verkehrsmeldungen der LVB bestehen. Seit Juli ist dieser Informationskanal für die Fahrgäste geöffnet. Die Verkehrsmeldungen kommen direkt aus der Leitstelle und informieren über Störungen im LVB-Liniennetz per Internet oder mobil per Handy.
Für die LVB-Internetseite wurden technische und inhaltliche Vorbereitungen getroffen, um auch bei weitreichenden Störungen immer die notwendigen Informationen zur Verfügung stellen zu können – beispielsweise mit dem Zuschalten eine Notfallseite.
Auch an den Säulen mit Dynamischer Fahrgastinformation (DFI) wollen die Verkehrsbetriebe umfassender und zielgerichteter informieren.
Darüber hinaus sorgen die LVB dafür, dass auch an ausgewählten Haltestellen Mitarbeiter präsent sind, die den Fahrgästen für Informationen zur Verfügung stehen. An hochfrequentierten Haltestellen ohne Informationssystem werden die Fahrgäste von den Mitarbeitern des Mobilitäts-Service informiert.
Des Weiteren besteht die Möglichkeit für alle Fahrgäste mit einem internetfähigen Handy nicht nur auf die mobile Website (www.lvb.de/v), sondern auch auf die easy.GO-App zuzugreifen. Das Servicetelefon unter 19 449 wird bei entsprechender Wetterlage erheblich personell verstärkt.
Middelberg: „Mit all diesen Einzelprojekten tragen wir dafür Sorge, dass die aktuellen Informationen im Notfall auf möglichst vielen Kanälen verfügbar sind. „Wir wollen Hand in Hand mit den Kunden gut durch den Winter kommen.“
LVB legen mit „Fokus 25“ Strategie für die kommenden Jahre fest
Der professionelle und kundengerechte Umgang mit dem nahenden Winter soll für die Leipziger Verkehrsbetriebe durchaus auch ein erster Prüfstein für die Umsetzung der neuen Unternehmensstrategie sein. „Fokus 25 – moderne Mobilität in Leipzig“ steht auf dem Titel des Strategiepapiers, welches Ulf Middelberg auf dem Leipziger Instandhaltungsforum ebenfalls vorstellte. Die vergangenen Wochen und Monate nach Amtsantritt der neuen LVB-Geschäftsführung Ulf Middelberg, Dr. Sabine Grohner-Weber und Ronald Juhrs im März wurden LVB-intern intensiv genutzt, um das Programm für die Jahre bis 2025 festzuzurren. Geschäftsführung und Aufsichtsrat, aber auch Betriebsrat und Mitarbeiter trugen gemeinsam Ideen zusammen. „Für uns waren die letzten Wochen gekennzeichnet von einigen für die Leipziger Verkehrsbetriebe zukunftsweisenden strategischen Entscheidungen. Gemeinsam mit der gesamten Führungsmannschaft der LVB-Gruppe haben wir uns von den ersten Monaten unserer Tätigkeit an gründlich vorbereitet.“, so Middelberg. Und weiter: „Wir kennen Leipzig und wir kennen unser Geschäft. So haben wir eine Strategie formuliert und dafür die Unterstützung unseres Aufsichtsrates gewonnen. Wir helfen damit der Stadt wirksam, ihre wirtschaftlichen, sozialen und Umweltziele zu erreichen. Wenn jetzt allerdings Leistungskürzungen und undifferenzierte Kostensenkungen diskutiert werden, geraten die Menschen in unserer Stadt aus dem Blick. Wir freuen uns deshalb sehr, dass der Oberbürgermeister mehrfach betont hat, für ihn komme nicht in Frage, die Mobilitätsangebote in Leipzig einschränken zu wollen.“
Das ausgegebene Ziel ist anspruchsvoll: Jeder vierte Weg in Leipzig soll mit dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zurückgelegt werden. Auf die LVB umgerechnet bedeutet das: Die Fahrgastzahlen müssen dafür von gegenwärtig 134 Millionen auf 180 Millionen pro Jahr steigen.
Dafür müsse man, so Middelberg, in erster Linie attraktive Angebote schaffen zu marktgerechten Preisen. Erreichen wollen die LVB dies durch verschiedene Faktoren: vom Einsatz der Elektromobilität und anderen ressourcenschonenden, nachhaltigen Angeboten über effizientere und qualitätsorientierte Prozesse im Unternehmen bis hin zu einem guten Personalmanagement. „Wir wollen ein attraktiver Arbeitgeber in der Region bleiben“, so Middelberg. Eine gute Basis für die anspruchsvollen Aufgaben bilde die ÖPNV-Betrauung durch die Stadt Leipzig, bis zum Jahr 2028. Gleichzeitig sei man sich im Klaren darüber, dass weiter investiert werden müsse in Infrastruktur und Fahrzeuge, machte Middelberg deutlich. Laut einer internen Modellrechnung seien jährlich rund 56 Millionen Euro nötig, die Hälfte davon würde allein für die Netz-Instandsetzung verwendet werden. Middelberg: Der tatsächliche Bedarf ist aber noch höher.“ Die LVB wolle aber alles daran setzen, das Netz weiterzuentwickeln, zum Beispiel durch verbesserte Zugänglichkeiten, bessere Netzverknüpfungen sowie das Einbringen in städtebauliche Entwicklungen.
Die Inbetriebnahme des City-Tunnels Leipzig im Dezember 2013 sehe die LVB eher als Chance denn als Risiko für die eigenen Geschäfte. Es könne zwar durchaus sein, dass beispielsweise durch die Parallelführung des Tunnels zur Straßenbahnlinie 9 kurzfristig Fahrgastzahlen sinken würden. „Doch jeder Fahrgast in der S-Bahn ist tendenziell ein Kunde für die LVB, weil er sich damit für die ÖPNV-Mobilität entschieden hat“, sagt Ulf Middelberg. In Leipzig angekommen könne er sich dann entscheiden, ob er mit Straßenbahn, Bus oder den LVB-Kooperationspartner nextbike oder teilAuto weiterfahren wolle. Es geht um „Rundum-Mobilität“, die die LVB ihren Fahrgästen in Zukunft anbieten wolle.
Text: sbu/Catrin Kultscher
Fotos: sbu
Veröffentlicht am: Dienstag, 15. November 2011
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